Kinder, Kinder
Ich bin mal wieder. Ab und zu tauche ich in der Wache auf, wo ich immer wieder in roten Hosen durch die Welt mit Kollegen mit Blaulicht (welches auch hin und wieder kaputt wird) fahre. Was gibt neues? Ich mache meinen RDH-Kurs nicht. Grund? Mein Studium und der Kurs dazu sind nicht miteinander vereinbar, dazu noch Nebenjob 130 km weiter und die ewige Fahrerei zwischen 2 Städten. Ausserdem möchte ich gern einen 2. Studiengang beginnen, was im Grunde bedeutet, ich werde noch länger nur als Dritte mitfahren, zuschauen, mitmachen und weiss Gott noch was dabei tun. Vielleicht von Zeit zu Zeit bisschen nachdenken, wie die Gerechtigkeit oder Glück verteilt wird. Wir hatten an 2 Tagen nacheinander eigentlich nur noch Krankentransporte gemacht (warum soll der RTW anders genutzt werden, oder?) Na ja, eigentlich war auch gut so. Kinder, 2 Fälle, beide von der Intensivstation in die Kinderklinik verlegt. Ein kleines Mädchen, mit dem Fahrrad gefahren, “Natürlich ohne Helm” wie die Mutter auch mit dem Lächeln zugegeben hat. Schön auf die Windschutzscheibe geflogen – sie sollte jetzt im September in die erste Klasse. Brutal gesagt aber ist sie ein Gemüse geworden, in einer besseren Sprache heisst es: das Mädchen ist ein Pflegefall, für mehrere Jahre, oder für ganzes Leben sogar. Die Ärzte hoffen noch, dass es doch noch klappt mit der Therapie. Na ja, ich hoffe auch, dass kein Kind nicht nur in der Nachbarschaft nie mehr ohne Helm radfahren wird. Das liegt jedoch meistens auch in den Händen der Eltern.
Ein Tag später – ein ähnlicher Fall – diesmal ist das Mädchen aber fast 2mal älter, ist mit Inline Skates gefahren, auch ohne Protektoren und Helm, wozu ja auch? Das sieht so uncool aus. Und genau dasselbe passiert – man landet auf der Windschutzscheibe. Die junge Dame hat aber deutlich mehr Glück – gebrochene Rippen, Thoraxdrainage, bisschen Atemprobleme, sonst nur jede Menge blauer Flecken und Schürfwunden.
Mir ist bei den Kindern nie zu lachen, wenn ein Erwachsene sich auf eigenen Wunsch kaputt macht, da kann ich nichts dafür. Und auch wenn ich keine eigenen Kinder habe, tut mir es echt leid zusehen zu müssen, wie die Kleinen bluten, weinen und leiden. Da fragt man sich: “Womit hat sich dieses Kind ein solches Schicksal verdient?” Eine Antwort habe ich jedoch nicht gefunden, werde ich wahrscheinlich auch nie finden.
Pause
Ich fahre leider in der letzten Zeit nicht mehr. Deshalb gibt es auch nichts, was ich hier berichten könnte. Den SAN Kurs habe ich abgeschlossen und jetzt hat mein Studium die oberste Priorität. Auch wenn ich unheimlich gerne ab und an mitfahren würde. Letzten Samstag wollte ich ITW fahren. Es gab leider keinen einzigen Einsatz. Gut, dass ich die Möglichkeit hatte, daheim zu bleiben und abgeholt zu werden (ich wohne ja auf dem Weg zwischen Wache und KH, wo der Arzt und Schwester auch abgeholt werden müssen, wenn was passiert.), weil ich sonst nur noch schimpfen würde, dass ich den Tag umsonst in der Wache verbracht habe.
Deswegen: Abwarten, Tee trinken… Bald kommt hier was bestimmt.
Erstes Schrittchen hinter mir
SAN Kurs abgeschlossen. Es war meistens ganz lustig, toternst zugleich, stressig, anstrengend und immerhin ganz interessant. Zum Schluss gab es Sekt, paar gute Worte, Bier und was zum Essen.
Ich überlege jedoch, ob ich tatsächlich nach dem Kurs eine ordentliche erste Hilfe leisten kann. Oft ist so, dass man zuerst panisch die Situation angeht. Erst später kommt Ruhe und normales Denken.
Aber worauf ich mich schon gerne freue ist ein freies Wochenende. Nun, meine neue Bereitschaftsleiterin hat mir das nächste (und das eventuell erste freie Wochenende) schon geplannt. Ich soll zum SAN-Dienst.
Ich würde lieber in den RTW einsteigen, wenn ich es mir aussuchen dürfte.
Na ja, ich bin trotzdem gespannt, wie sie sich das vorstellt – ich bin mittlerweile 8 oder 9 Monate beim Roten Kreuz – immer noch kein Mitglied (da Anwartschaftszeit), immer noch ohne Dienstkleidung. Braucht man hier noch ein weiteres Kommentar?
Frohe Ostern!
Lange nichts mehr geschrieben. Leider habe ich einiges zu tun. Studium, neuer Job und SAN-Kurs jetzt noch dazu. Alles braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Am letzten Samstag bin ich jedoch endlich mal RTW mitgefahren (ich würde dies gerne öfters tun, aber geht leider nicht!!!
). Diesmal waren 3 Ehrenamtliche an Bord. Solche Leute haben ja total andere Einstellung zum Rettungsdienst. So leistet man wirklich eine Luxusrettung, wie meine 2 Kollegen auch einen anderen Praktikanten zitiert haben. Jeder Patient ist optimal versorgt, keiner von uns hat getanzt mit der Liege, oder gesungen unterwegs, sondern lief alles professionel ab. Und der Tag war verdammt anstrengend aber trotzdem witzig. Es war vor allem körperlich anstrengend. Ich wünsche niemandem eine Wohnungsöffnung früh um 9 am Samstag. Ich habe wenigstens immer so bisschen gemischte Gefühle: “Was finden wir denn hinter der geschlossenen Türe?” Meistens nichts. In der 90 Fällen von 100 ist die Wohnung aufgeräumt, und der Betroffene schläft, reagiert einfach nicht auf das Getümmel am Eingangstür oder schaut Fernsehen, bzw. hat Alkohol getrunken oder trinkt was gerade. Diesmal war ungefähr ähnlich. Feuerwehr-Kollegen haben schnell die Türe geöffnet und wir sind gleich reingegangen. In der Wohnung war dunkel, alle Rollos und Fenster zu, Qualm, jedoch alles sauber. Die Patientin liegt auf der Couch unter der Decke. Reagiert nicht, ist jedoch nicht bewusstlos. Ich habe gleich Rollos hochgezogen, Fenster aufgemacht. Die Frau hat uns mit großen Augen angeschaut und sich ständig vor dem Anfassen und sonstigen Versuchen jeglicher Kommunikation gewehrt. Ich muss nicht zugeben, dass wir sie vom 5. Stock runtergetragen haben zur großen Freude der neugierigen Nachbarn. Und so wie wir um 8. Uhr losgefahren sind, erstmal noch zum Frühstück im Krankenhaus, so haben wir die Wache erst am Abend gesehen. Diese 20 Minuten zwischendurch am Nachmittag kann ich nicht dazu zählen. Es hat nicht lange gedauert und wir waren wieder weg. Der ganze Witz bestand aber darin, dass ich noch so vor 2-3 Wochen gesagt habe: “Eh, die Samstage sind ja immer nur langweilig. Nächstes Mal nehme ich meinen Laptop mit. Da kann ich wenigstens was lernen.” Und so hatte ich den am Samstag mitgenommen, ausgepackt, angeschlossen und schon ging der Piepser laut los.
Murphy’s Law… Nichts anderes… Schade nur,dass wir die ganze Zeit entweder in der Psychiatrie oder auf dem Lande in der Umgebung verbracht haben. Von Kollegen vom Nachtdienst, die uns pünktlich abgelöst haben, weiss ich nur, dass sie, seitdem sie 10 Minuten vor unserem Feierabend die Wache verlassen haben, sie erst nach 6. Uhr wieder gesehen haben. Frohe Ostern, übrigens… !!!
Im Prüfungsamt kann auch lustig sein ;)
Na ja, wenigstens heute war so. Ich komme rein, werde mit meinem Namen begrüßt. Ahaaa. Immerhin gibt es hier ein paar Tausend Studenten. Na gut, Fragen gestellt, im Computer nachgeschaut. Tatsächlich gibt es einiges zu klären. Aber alles liegt in der Hand des Vorsitzenders der Prüfungskomission ( mit dem ich mich beinahe regelmäßig streite). Punkte zusammen gezählt, Listen ausgedruckt, ich glaube 2 oder 3 Mal. Zum Schluss kamen wir auf 9 ECTS, spricht 2 -3 zusätzliche Fächer, die mir fehlen bis zum Abschluss. Also, geht doch.
Das klingt nicht mehr so gefährlich. “Nur bitte, gehen Sie nicht mehr raus aus der Prüfung.” Ja, ja… Ich habe gegrinst. Halbe Stunde später gehe ich zur Vorlesung. Mein Prof sagt zu mir: “Ah! Hallo! Sie greifen doch schon wieder an?!” und nimmt die Wasserflasche in die Hand. Ich antworte mit einem wunderbaren Lächeln: “Na ja, bevor mich diese Schule fertig macht, versuche ich doch noch fertig zu werden.” Der Prof hat sich verschluckt.
Laptop auf den Tisch, OneNote an und so schreibt man jetzt alle Notizen, inklusive Screenshots aus PowerPoint oder Web. Ich muss zugeben, erstes Ding von Microsoft, welches mir wirklich gefällt. So macht das Lernen mal wieder Spaß. Einiges aus dem RD-Bereich und meinen Kursen werde ich hier auch eventuell hochladen. Wer weiss, vielleicht kann das jemand noch gebrauchen.
Und das ist gerade der Anfang
Ich bin erst den 2. Tag des neuen Semesters an der FH und am liebsten würde ich sagen: “Urlaub dringend gebraucht!”
Zum Startpunkt geht gleich das Rennen auch los. Zum guten Anfang soll ich zwischen 9 und 15 Prüfungen schreiben, 6 davon als sgn. Sollleistung in diesem Semester eingestuft. Alles liegt daran, ob mir jemand endlich erklärt, wieviele Punkte mir wirklich bis zum Abschluss fehlen. Einige Fächer sind mir aberkannt worden, andere sind plötzlich aus der Liste verschwunden oder stehen zwar da, aber als Dummy, mit Note, jedoch ohne Punkte etc. Je nach Berechnung sind es 10, 14 oder 18, also 3, 5 oder sogar 7 zusätzliche Fächer! Morgen werde ich es wahrscheinlich schon Bescheid wissen, wie es aussieht, weil sogar mein Betreuer dieses System nicht durchblickt. Ich bin also nicht so alleine da. Der Prof meinte auch, ich soll nicht alles auf einmal schreiben. Ich lache nur, dass wenn es so weiter geht, gehe ich bald freiwillig in die Psychiatrie und lasse mich dort absperren, bevor mich jemand von der FH abholt.
Bis dahin jedoch belasse ich es dabei, dass ich dort andere Patienten bringe (Am Rande: Unsere Psychiatrie in der Stadt liegt genau gegenüber der Uni, was für ein Zufall) . Aber im Ernst – erstens ein Schock – nach 5 oder 6 Jahren Pause muss ich jetzt jeden Tag Englisch sprechen, sowohl an der Uni, als auch in der Arbeit. Grundsätzlich ist es prima, man übt wieder und lernt dabei. Dazu kommt eine Menge von zusätzlichen Kursen (zum Teil in der Arbeit), und natürlich noch Sankurs so quasi nebenbei, und danach noch weiter RDH (aber das macht mir noch wenig Sorgen). Ich hätte lieber eine Maschine da, um die Zeit zu dehnen
Privatleben
2 eher unspektakuläre Tage hinter mir. Es war wenig los. Es gab stattdessen eine Gelegenheit für Gespräche – vor allem hatte ich richtig guten Team diesmal dabei.
Und so haben wir, glaube ich, alles Mögliche besprochen. Von der Kommunikation mit den Patienten, dem Umgang mit Geräten, über Beschäftigungsoptionen in der Wache, wenn eben nichts passiert, bis hin zu Beziehungen, privatem Leben, welches man so wenig hat und warum eben alle, oder doch viele Beziehungen unter RettAss scheitern. Das stimmt irgendwie – kaum welcher meiner Kollegen hat quasi ein normales Leben. Viele sind geschieden, oder leben alleine, nicht wenige haben Kinder, welche sie nur ab und an sehen, wenn sie mal ein freies Wochenende ausnahmsweise haben. Die anderen betrinken sich regelmäßig, eher weniger lustig… Eine traurige Zusammenstellung. Deshalb freut es auch, wenn doch bei manchen es mit der Familie klappt.
Gott sei dank, es gibt solche auch. Aber es ist auch wahr. Wenn jemand sich auf eine Beziehung mit jemandem aus dem Rettungsdienstbereich einlässt, der soll wissen, dass solch ein Leben kaum planbar wird. Am Anfang kann es vielleicht noch gerade interessant sein, aber mit der Zeit? Entweder ist man sehr tolerant und geduldig und man wird das Ganze auch dulden, oder soll man gleich aufhören, da die RettAss auch Gefühle haben, um die bittere Enttäuschung der beiden Seiten zu sparen. Es ist nicht so, dass die Menschen, die sich die Toten anschauen einfach gar keine menschliche Gefühle empfinden. Sie zeigen es vielleicht anders, aber empfinden nicht selten sehr tief. Soweit mein Eindruck.
Hinterlasse einen Kommentar